JIRKA PFAHL
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TSAYG.am vom 05. Dezember 2016

Armenpress vom 05. Dezember 2016

Gala TV vom 05. Dezember 2016

Südkurier vom 18. Juni 2015

Süddeutsche Zeitung vom 10. Juni 2010

Münchener Merkur vom 14. Juni 2010

Bayern 5 Radio vom 14. Juni 2010

Kunstzeitung Nr. 143 / Juli 2008, Dr. Matthias Kampmann betrachtet Leipzig neben der Malerei

Heilbronner Stimme vom 30.Juli 2008 Michaela Adick über die Ausstellung "Nach-Richten. Eine utopische Zeitung"

Matthias Kampmann über die Arbeit »easy to use, easy to copy, easy to shop«, 2004

<1> Pressetext zur Ausstellung „Nach-Richten“ im Sommer 2008 Heilbronn
Bernhard Stumpfhaus
Dass die Erscheinung des Wortes ties verwandt ist mit einem Style aus der Gattung des Graffiti [...] die Schrift als Graffiti erscheint, spricht nicht notwendig dafür, dass wir es hier mit einem gestischen Konzeptionalismus zu tun haben. Nicht die Konzeption wird zur Geste, sondern es verhält sich umgekehrt, die Geste wird konzeptionalisiert. Eher ware das Graffiti selbst als gestischer Konzeptionalismus anzusprechen, denn die Sprayer planen ihre Arbeiten genau, suchen bestehende Buchstabensysteme und verändern sie, üben bis zum Umfallen, bis aus Konzeption Geste wird.
Bei Pfahl geht es genau anders herum. Hier ist die Geste nicht im konzeptionalisierten Style synthetisiert, sondern der Style wird in eine Textur aus Modulen eingewoben, die jegliche Form individueller Ausdruckscharakteristik aufhebt. Das Individuelle drückt sich nicht im geplanten Werk aus, wie bei den Sprayern, sondern wenn überhaupt in dessen Idee.

<2> Pressetext zur Ausstellung „schwarz/ weiss Symmetrie“ kunstraum muenchen im März 2012
Daniela Stöppel
Durch seinen appropriierenden, oft spielerisch-experimentellen Zugriff führt er aktuelle Aspekte von Medialität, Kommunikation und Diskurs einer kritischen Analyse zu, die nicht nur sehr genau über „Kunst als Kunst“ reflektiert, sondern sich immer auch unmittelbar auf die Gesellschaft bezieht und diese damit einer beständigen Überprüfung unterzieht.
Jirka Pfahl stellt in seinen Arbeiten inhaltliche Bezüge her, die wie ein Rollenspiel Entscheidungen ermöglichen, so dass ein Betrachter die Möglichkeit erhält, frei von diktierten Lesarten zu eigenen Interpretationen zu gelangen. Konstruktion von Sinn wechselt mit dessen Destruktion ab. Bewusst behalten seine Objekte ihren selbstgebauten Charakter, um Nachvollziehbarkeit, gleich eines Selber-Machen-Könnens, zu bewahren. Damit forciert Jirka Pfahl eine dekonstruierende Lesart, die auf die Sichtbarmachung von Sinnhaftigkeit als kontingenter Erfahrung abhebt.

<3> Pressetext zur Ausstellung SNU GfZK Leipzig (Raum 107) im November 2011
Julia Schäfer
Der Methode nach arbeitet Pfahl im Rahmen der Konzeptkunst. Sein Konzept folgt der zufälligen Aufnahme von Dingen, die er dann in institutionskritischer, konzeptualistischer Tradition in Sprachspiele, Kipp- und Vexierbilder überträgt.
Pfahl kopiert, zitiert, modifiziert. Er spielt mit der Kunstgeschichte, den Ikonen, dem Material. Seine Ideen sind vielfältig. In SNU sind die BetrachterInnen aufgefordert, ihren Assoziationen freien Lauf zu lassen, eigene Fäden zu spinnen. Das, was der Künstler innerhalb einer Arbeit an Erzählung aufmacht, ließe sich auch auf das Verknüpfen der gesammelten Arbeiten in SNU anwenden.

<4> „Degré Xerox“ oder „Der studierte Medienkünstler Jirka Pfahl aus Sachsen leistet Beistand“. Überlegungen zu den Zusammenhängen zwischen Medienkunst, conceptual art und Gesellschaft
Daniela Stöppel in: Jirka Pfahl SNU Lubok Verlag 2010
Sondern diese Haltung hat eben doch auch etwas damit zu tun, das JP mit einer Art innerkünstlerischen Metaperspektive an die Sache rangeht, die vermittelt über das, was da heute Medienkunst heißt, irgendwie aus der Institutionskritik der Achtziger und dem Konzeptualismus der Sechziger kommt, und noch weiter zurückreicht bis hin zu Duchamp und Schwitters. Und dieses selbstkritische Erbe enthält eine große Skepsis gegenüber dem, was Kunst leisten kann und soll. Und es enthält die Tendenz zum völlig Un-Autoritären (statt des Anti-Autoritären).
Das heißt unter anderem: Es geht eher um Style statt Stil. Also um Codes, die sich wandeln, und nicht um eine irgendwie geartete ontologische Wahrheit. Denn viel mehr als Oberfläche steht uns sowieso nicht zur Verfügung. Daher das ausgeprägte Interesse an Codes und Inhalten in allen institutionskritischen Strömungen. Was aber nicht heißt, dass der Inhalt zwangsläufig über die Form dominieren muss. Inhaltismus ist auch nicht mit Anti-Formalismus gleichzusetzen, denn „Alles ist Form“ – hinter diese Feststellung Balzacs können wir nicht mehr zurück, wir können ihr nur ihre Dogmatik nehmen. Und man könnte ergänzen: Alles ist Inhalt. Aber: Formalismen sind nur erträglich, wenn sie möglichst lapidar sind. Wenn also ein paar gefundene Holzstücke auf der weißen Wand zwar aussehen wie Minimal Art, es aber eben nicht sind, sondern gefundene Holzstücke bleiben.

<5> Pressetext zur Ausstellung FIN DES SIÈCLES Lettisches Zentrum für Zeitgenössische Kunst Riga im Februar 2012
Karlis Verpe
What does all that mean? Is it another manifestation of Christian eschatology in the anticipation of the end of the world?
Maybe it is the exact opposite – a question about the psychological conditions of this anticipation? How much does it have to do with faith in a higher and holy power, and how much – with plain narrowmindedness or surrendering to the death drive? Is it another toying with the authorship of copy/original (one of the main topics of Pfahl’s work)? An exponential copy of this toying?Problematisation of mechanic reproduction?
Nowadays it is not just a frequent subject of the arts but also a quite real logic of people’s everyday rhythm – work and leisure. A logic, which, according to some, is the reason for the death and destruction of a truly creative, active and religious spirit. Maybe the message of Fin des siecles is that the notions of the end of the 19th century have not been resolved, having become more intense and numerous instead? From the end of the world at the end of this year as a financially quite lucrative phenomenon to the certainly insinuating and seductive elation at New Age. Maybe this work is another comment on the crisis or standstill of art of civilization as a whole? Maybe, if in this piece Pfahl does relate to his Riga experience, it condenses the atmosphere of the Latvian cultural crisis and the menacing presence of the large neighbour? Pfahl often positions himself as artist medium, feeling and showing instead of explaining. He entrusts the understanding and reasoning to others, art theoreticians among them.

<6> L’Ensemblier II
Janis Taurens über die Ausstellung FIN DES SIÈCLES für arterritory.com aus dem Lettischen von Aiga Semeta

http://www.arterritory.com/lv/teksti/recenzijas/813-lensemblier_2/
In der Rezension zur Ausstellung “Text ist Bild” verwende ich den Begriff l’ensemblier, um jenen Ansatz zu charakterisieren, der verschiedene ausersprachliche Elemente für wichtige semantische Determinanten der linguistischen Kommunikation halt (eine eingehende Auseinandersetzung mit dieser Behauptung ware eine Aufgabe der Sprachphilosophie). …
Zunächst ist auf den Titel der Ausstellung selbst bzw. Fin des siècles hinzuweisen, der zugleich ein Kunstwerk von Pfahl darstellt: die Installation aus gebogenen Kunststoffprofilen spielt an die kulturelle Situation in Europa (Fin de siècle) am Ende des 19. Jahrhunderts an. Jene französischen Worte können als ein Hinweis auf einen bestimmten Aspekt der Jahrhundertwende bzw. auf das dekadente Zusammensetzen dienen, das man beispielsweise in der auserlesenen Wohnungseinrichtung des Protagonisten des berühmten Romans “Gegen den Strich” (À rebours, 1884) von Joris-Karl Huysmans vorfindet, die sich von den üblichen Hauseinrichtungen jener Zeit radikal abschlägt. Auch Pfahl sieht seine Beschäftigung mit Objekten als eine Gegenhandlung zu der im Netz verbreiteten Aware Art, die für das virtuelle und interaktive Spielen der Menschen steht und sich der Eindrucke aus unserer übersattigten visuellen Speisekarte bedient (z.B., das Gestalten eines Zengartens mit dem I-Phone u.a.) (2). In einer Diskussion zur Ausstellung, in der es um das “Kritizismus” in der Kunst und in der Kritik ging, beschrieb Pfahl sehr treffend diese Internetkunst als eine flache Pizza, die wir gemeinsam mit unseren Freunden verzehren konnen. …
Die l’ensemblier-Kunst funktioniert als eine kleine Intervention in das Vorstellungssystem oder Meinungsraster des Betrachters – mal wird an einen, mal an den anderen seiner Knoten gezogen. Allerdings muss der Betrachter selbst über seine eigenen Vorstellungen und Vermutungen sowie deren kulturellen, sozialen, politischen Bedingungen Bescheid wissen. Ein reflektierender Betrachter wird nicht die Regel sein, und auch die Gegenwartskunst – es sei denn es handelt sich um einen gewinnorientierten Skandal – versucht generell nicht mehr “Volksmassen” zu adressieren. Die Kunst marginalisiert sich im Gleichschritt mit ihrem Betrachter, und daraus rechtfertigt sich die Frage: Bedeutet das das Ende der Kunst? (Dies deutet bereits der Titel der Ausstellung an, ihm haftet jedoch die Allgemeinheit der angesprochenen Frage nicht an.)
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